dazwischen eine Messe:

BuchDruckKunst 2018 im Barmbeker Museum der Arbeit .

Mein Blick auf die Welt hat sich verändert: jedenfalls auf die Welt der Bücher; habe ich doch eine große Zahl sehr kunst- und fantasievoller handgebundener Bücher gesehen und in den Händen gehalten. Ich hatte keine Ahnung, wie viele unterschiedliche Arten es gibt, Bucheinbände zu gestalten und Buchblöcke in einem Einband zu befestigen.

Die Buchbinderinnung Hamburg/Schleswig-Holstein hatte einen Stand aufgebaut, an dem verschiedene Arbeitsvorgänge der Buchbinderei demonstriert wurden. Die äußerst freundlichen Mitglieder der Innung beantworteten mit himmlischer Geduld Fragen zu ihrem Handwerk.

Buchblock heften am Stand der Buchbinder-Innung Hamburg/Schleswig-Holstein
Buchblock heften am Stand der Buchbinder-Innung Hamburg/Schleswig-Holstein
Museum der Arbeit, Hamburg
Museum der Arbeit, Hamburg, BuchDruckKunst März 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt sogar eine Art Berufsvereinigung künstlerischer Buchbinder, die sich „Meister der Einbandkunst“ nennt, und dieser Name verspricht nicht zu viel. Ein Beispiel (von vielen!) gefällig?

Die junge Buchbindemeisterin Angela Lenhof  mit einem ihrer Werke:

Der Buchdeckel besteht aus sehr dünnem, fein geschliffenem Sperrholz, das seidig schimmert und schon für sich eine reine Freude ist. Gebunden ist das Kunstwerk als „Geheime Belgische Bindung“ (eine Ahnung davon bekommt man durch die Fotos), eine Bindemethode, die ohne Klebstoff auskommt und mir darum auch abgesehen von ihrer Schönheit sehr sympathisch ist.

Oder solch ein Einband:

Museum der Arbeit, Hamburg, Bucheinband von Anna Lenhof
Museum der Arbeit, Hamburg, Bucheinband von Anna Lenhof

Eine andere Meisterin der Buchkunst, deren Arbeit ich schon auf der Minipressmesse im Mainz 2017 zu bewundern nicht müde wurde, war die liebenswürdige Anna Helm .

Zu meiner großen Freude hatte sie sowohl einige der Bücher aus Mainz wieder dabei als auch interessante und wunderschöne neue Arbeiten, bei denen sie – wie ich es für sie typisch empfinde – die jeweilige Form äußerst sensibel auf den gewählten Inhalt bezieht. Die Inhalte sind ihr auch nie beliebige, sondern Texte, die ihr etwas Bedeutsames sagen, so dass die Kunst ihrer Einbände dem Text zur liebevollen Huldigung wird.
Kenntnisreich und großzügig schenkte sie mir Rat zur Verbesserung meiner buchbinderischen Anfängerarbeit.
Nun zurückgekehrt erprobe ich ihre Empfehlungen und sehe voller Dankbarkeit, dass sich meine Arbeitsergebnisse sichtlich verbessern.

Nicht ohne Erwähnung soll auch die Dauerausstellung interessanter, historischer Druckmaschinen und anderer Technik rund um die Druckgrafik im Museum der Arbeit bleiben. Von Ehrenamtlichen betreut, konnten die Besucher sich viele Funktionen nicht nur zeigen, sondern auch in Aktion vorführen lassen – Fotomotive gab es für mich dazu.

Nicht nur KnowHow habe ich aus Hamburg mitgebracht – die zwei Tage umgeben von „Buchmenschen“ waren auch geeignet, meine Eindrücke vom Zustand der Menschheit vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen: Liebenswürdigkeit, Gesprächslust, Wissen, Respekt vor Mensch und Ding sowie Hingabe an ein Werk sind doch nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Buchkünstlern sei Dank!