Auf nüchternen Magen
dieser Anblick:

Dabei wollte ich nur diese Tischdecke aus dem Terrassenregal nehmen, um den Frühstückstisch zu decken. Aufgefaltet entdeckte ich so eine Spur, aus deren Knubbeln mir je eine Made entgegenwinkte. Wegen des Frühstücks wählte ich die schnelle Variante einer Recherche in Gemini (sonst hätte ich wohl Almuth gefragt 🫠) und war von dem Ergebnis beeindruckt. Darum habe ich es hier mal für euch zitiert (von mir stammen nur das Foto und die Frage Was ist das? )
Was ist das?
Das sieht nach dem aufgebrochenen Nest einer solitären Wildbiene aus (sehr wahrscheinlich eine Mauerbiene, Gattung Osmia).
Mauerbienen nutzen gerne röhrenförmige Hohlräume (wie in Insektenhotels, Ritzen an Balkonmöbeln, Markisen oder eingerollten Stoffen), um dort ihre Brutkammern anzulegen. Wenn man diese Röhren oder Stofffalten öffnet, kommt genau das lineare Muster zum Vorschein, das auf Ihrem Foto zu sehen ist.
Hier ist die Erklärung für die einzelnen Elemente, die Sie auf dem Bild sehen:
Was genau ist da zu sehen?
Die kleinen weißen Maden: Das sind die Bienenlarven. Sie sind völlig harmlos und schlüpfen aus den Eiern, die die Mutterbiene abgelegt hat.
Die bräunlichen/gelblichen Klumpen: Das ist Pollenbrot (eine Mischung aus gesammeltem Blütenpollen und Nektar). Die Mutterbiene deponiert diesen Proviant in jeder Kammer, damit die Larve nach dem Schlüpfen genug zu essen hat, um sich zu verpuppen.
Die Trennwände und Reste: Die dunkleren, erdigen Reste (besonders ganz rechts im Bild gut zu sehen) sind die Reste der Zellwände. Mauerbienen bauen diese Wände aus Lehm oder zerkauten Pflanzenteilen, um die einzelnen Brutkammern sauber voneinander zu trennen.
Sind sie gefährlich?
Nein, absolut nicht. Mauerbienen und andere solitäre Wildbienen sind extrem friedlich. Sie haben keinen Staat und keine Königin zu verteidigen. Selbst wenn man sie direkt bedrängt, stechen sie so gut wie nie, und ihr Stachel ist oft zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Zudem sind sie hervorragende und wichtige Bestäuber für den Garten.
Was können Sie jetzt tun?
Da das Nest nun leider freigelegt und geöffnet wurde, sind die Larven ungeschützt und den Elementen sowie Fressfeinden (wie Vögeln oder Ameisen) ausgesetzt.
Wenn Sie sie retten möchten: Falls sich der Stoff oder die Abdeckung wieder vorsichtig so schließen lässt, dass die Kammern im Schatten und geschützt liegen, besteht eine kleine Chance, dass die Larven sich im Laufe des Sommers trotzdem verpuppen und im nächsten Frühjahr schlüpfen.
Für die Zukunft: Wenn Sie den Bienen etwas Gutes tun wollen, können Sie in der Nähe ein Insektenhotel mit passenden Bohrlöchern (Durchmesser 4–8 mm) in hartem Hartholz aufhängen. Dann nutzen sie beim nächsten Mal lieber dieses Angebot statt Ihrer Möbel oder Stoffe!
Tja …
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Genau!
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🙂 🙂
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Vor ein paar Jahren machte ich etwa zur gleichen Zeit eine ganz ähnliche Entdeckung (https://hjschlichting.wordpress.com/2023/06/04/ein-tisch-als-insektenhotel/). In meinem Fall war aber eine Schondecke auf dem Tisch geblieben, sodass die Nester in den Hohlräumen des Tischs genutzt wurde. Auch in den Jahren danach kamen solche „Tischbesetzungen“ vor. Merkwürdigerweise habe ich in den Jahrzehnten vorher so etwas nie beobachtet.
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Man sieht halt, was man kennt … oder hast du um die Zeit, als du das bemerkt hast, besondere Lockangebote in deinem Garten installiert?
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Na, das war ja wirklich eine Überraschung!!! Ich hab ja schon viel erlebt und gehört, aber noch nicht die Variante mit der Tischdecke. Die lassen wirklich nichts aus 😉 Wie soll Mensch da drauf kommen?! Was mich wundert, ist die Farbe des Pollenbrotes. Ich hatte mal in meine Nisthilfe aus MDF-Platten gelugt, da war der Pollen gelb. Sie sammeln ja an verschiedenen Pflanzen und die Pollenfarbe variiert ja auch, aber so braun finde ich interessant. Ich schätze ja auch, daß die Larven nur geringe Chancen haben. Man kann es nur drauf ankommen lassen und sollten es die Mauerbienen gewesen sein, die gibt es ja tatsächlich mehr als genug. Spannende Fotos jedenfalls 🙂
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Das Braune sieht mir auch eher nach lehmigem Mauermatetial aus. Gelbes Gekrümel war auch noch irgendwo zu erkennen.
Geärgert habe ich mich tatsächlich über mich selbst: erstens lag ein bisschen Mauerzeugs unter der Decke, zweitens hat mein Liebster vor etwa zwei Wochen gesagt, dass dort an der Decke Mauerbienen ein und aus fliegen. Daran habe ich nicht mehr gedacht …
Na ja, so konnte ich mal live einen Blick auf das Innenleben einer Mauerbienenwohnung werfen, das hat mich schon lange interessiert, ohne dass ich für meine Neugier so brutal vorgegangen wäre.
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Wir haben zusätzlich in zwei alte Keramikhubel mit einem Stecher Löcher eingefügt, sie glatt gemacht, damit die Mauerbienen auch rein gehen. Und siehe, alle beide sind nun teilweise bewohnt. Einen dritten Hubel schenkten wir einem lieben Nachbarn.
Wie Du Dich vielleicht erinnern kannst, nutzte so eine Wildbiene auch die Stelle zwischen Nasenflügel und Wange eines meiner Keramikköpfe.
Bezüglich des Verlustes an Larven: Wenn man bedenkt, wieviele koppulierende Mauerbienen von Gästen bei uns auf dem Gartenweg unterhalb der Insektenhotels zertreten worden sind, muss man nicht allzu traurig sein. Das ist offenbar einkalkuliert.
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Das tröstet mich, Gerhard. An die Nasenflügelwohnung erinnere ich mich gut; hier wird auch alles bezogen, was irgendwie Hohlraum verspricht.
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Die Perspektive ist ja doch letztlich positiv, obwohl der Anblick erst einmal in der Tat erschreckend ist!
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Ich habe dennoch Zweifel, ob diese Larven sich noch normal entwickeln werden. Aber die „aufgewickelte“ Ansicht eines Niströhrchens finde ich schon interessant.
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