Der Text von Sylvia Kling und das Bild von GerdZ (http://piqs.de/fotos/84623.html) haben mich dazu bewegt, einen Beitrag zu der Initiative „Gegen das Vergessen“ zu leisten – obwohl es andere und vielleicht wichtigere Gründe für eine Beteiligung daran gibt.

Sylvia Kling - Literatur

Als die Alte erzählte – Ballade gegen das Vergessen

Teil II – hier gelesen:

http://www.sylvia-kling.de/download/als_die_alte_erzaehlte_1.ogg

Hier als Text:

Es war schon am Abend
um zehn
als die Alte mir
erzählte,
an einem Winterabend,
der sich durch die
Gassen quälte

Ihre Augen waren
müde geschlagen,
durch die Hände
die Furchen gerissen,
ihre Beine
wasserverschwommen,
die Lippen
lebensverschlissen

„Mein Mann, Gott
hab ihn selig“,
begann sie den
Monolog,
„er hat sich
mit Vierzig erhangen,
es war des
Krieges Sog“

Sie sah in die
weite Ferne
zeitkilometerweit,
als warte sie
noch auf den Mann,
als sähe sie
nochmal das Leid

„Mein Hans,
der hat ihn gefunden
und trägt die ewige
Last,
ein Sohn der
DachbodenFinsternis,
ein Sohn aus dem
Kriegsmorast

Er ist dann auch
gegangen
irgendwann und
ohne Aufwiedersehen,
wahrscheinlich in
Höhlengänge,
nur glaubensvoll
kann ich verstehen.“

Die Alte gab mir
ihre Hand,
ich weinte leise
hinein,
fahlgraues, gestorbenes
Leben.
Ich will nie…

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